Statements zur IWPZ 2017

Vom 18. bis 21. Juli 2017 beurteilten rund 150 Fachleute aus Forschung, Produktion, Handel und Gastronomie im Technopark Zürich 2141 Weine aus rund zwanzig Ländern. Schweizer Gewächse dominierten das Teilnehmerfeld mit einem Anteil von über 55 Prozent. 708 Weine wurden von der Fachjury mit Gold oder Silber ausgezeichnet, 382 Schweizer und 326 ausländische. Drei Kandidaten verdienten sich Grosses Gold, ein Schaffhauser und ein Walliser Rotwein sowie ein Weisser Portwein. 243 Kandidaten wurden mit einem Gold- und 462 mit einem Silberdiplom ausgezeichnet. - Nach Abschluss der Degustation haben einige Mitglieder der Jury über ihre Erfahrungen berichtet:

Philippe Constantin, Cave St. Philippe, Salgesch
«Einmal mehr hat sich gezeigt, welch interessante Schweizer Wein-Kreationen auf dem Markt angeboten werden. Unsere Gruppe hatte zudem das Privileg, einen Wein zu verkosten, den wir sogar mit Grossem Gold auszeichnen konnten. Und dies einstimmig! Die Degustation in unserer Gruppe hat gezeigt, dass nicht nur das Niveau der Weinqualität, sondern auch die Fachkompetenz der Juroren gestiegen ist.»


Cristina Monico, Fattoria Moncuccetto, Lugano
«Ich durfte mit unserem Team Schweizer Weiss- und Süssweine bewerten. Und wir wurden nicht enttäuscht. Im Gegenteil. Sehr harmonische Weine mit feiner Aromatik und einem perfekten Frucht-Säure-Verhältnis sowie oft mit sehr gekonnt eingesetztem Holz wurden uns präsentiert. Mit einer schönen Balance von Zucker und Säure konnten auch einige ältere Süssweine überzeugen. - Wie in anderen Gruppen hatten auch wir Probleme mit nicht immer genau deklarierter Restsüsse.»


Urs Pircher, Weingut Pircher, Stadtberg Eglisau
«Unsere Gruppe hat am Dienstag Federweisse und Rosés degustiert, am Mittwoch Pinot Noir und andere einheimische Rote. Die Erfahrungen waren recht gegensätzlich. Bei den Federweissen und den Rosés geht man offenbar mit der Süsse ans obere Limit. Umso schwieriger wird es dann, die nötige Säure zu erhalten und insgesamt einen harmonischen Wein zu keltern. Zudem wünschte ich mir eine deutlichere Unterscheidung zwischen Federweiss und Rosé. - Bei den Roten überzeugten die Pinots der Jahrgänge 2015 und 2016 durch gute Struktur und schöne Aromatik. Das Highlight war allerdings ein hervorragender, dichter und fülliger Walliser Syrah 2015.»


Jacques Spahni, Spahni Courtage Sàrl, Sion
«Insgesamt sehr schöne, gut strukturierte Gewächse von hohem Qualitätsstandard wurden uns zum Thema «Rotweine Neue Welt» zur Bewertung präsentiert. Etwas überrascht waren wir, dass keine zusätzliche Süssung festzustellen war. - Einmal mehr bin ich fasziniert von der Arbeit im Team. Die auch altersmässig gute Durchmischung führte zu interessanten Diskussionen.»


Eric Lüthi, Lüthi Weinbau, Männedorf
«Vorausschicken möchte ich die sehr gute Gruppierung der einzelnen Serien - die gerade bei unserem Thema, Rotweine aus der Neuen Welt, mit markanten typischen Sorten wie z.B. Malbec oder Carmenère recht schwierig war. Nicht durchwegs einig war man sich in der Gruppe bei der Beurteilung von gefälligen, jugendlichen und fruchtigen Weinen, die durchaus der heutige Konsument schätzt. Dies sorgte einige Male für Bewertungen im hohen Mittelfeld. Umso klarer waren dann aber die Gewinner eines Golddiploms.»


Marie-Clémence Mouron, Observatoire suisse du marché des vins, Changins
«Ich war zum ersten Mal als Degustatorin an der IWPZ mit dabei. Auch wenn es bei einigen einheimischen Roten den einen oder anderen Fehler zu beanstanden gab, zum Beispiel betr. die Flüchtige Säure oder die Reduktion, so war ich doch etwas erstaunt über unsere Strenge. - Insgesamt eine sehr schöne und wertvolle Erfahrung vor allem auch bei den vielen Kontakten am Rande der Gruppenarbeit. Schade, dass ich am Ausflug nicht teilnehmen konnte.»


Gérald Carrupt, Weinmaker, La Sarraz
«Ich muss zuerst meinem Team ein Kränzchen winden. Die Degustatoren waren super objektiv, unvoreingenommen betreffend Sorten, Herkünften oder anderen Vorgaben und beurteilten die Weine mit viel Fachwissen. Von zahlreichen sehr schönen Schweizer Rotweinen des Jahrgangs 2015 waren wir begeistert. Die doch noch recht jungen 2016-er präsentierten sich etwas verhaltener. Sie sind aber durchwegs gut strukturiert und vielversprechend. Auch wenn insgesamt der Pinot Noir dominierte, sorgte ein grosser Humagne in der Gruppe für das Highlight. - Der Concours ist durch sein fachliches Niveau sowie seine Internationalität eine ideale Bühne für die Schweizer Weine. Und diese haben sich in super Form präsentiert.»


A. Linherr, Courtier en vins, Epalinges
«Der Vegetationsverlauf im 2015 und 2016 war für die Weissen und namentlich für den Chasselas nicht immer ideal. In beiden Jahren hatten die Winzer in den Reben etliche Probleme zu meistern. Umso überraschter waren wir vom sehr beachtlichen Niveau etlicher 2016-er Gutedel. - Spannend war die Degustation der Sylvaner. Es zeigten sich sehr klar zwei unterschiedliche Stilgruppen. Auf der einen Seite die etwas leichteren und frischen, auf der anderen die körperreichen und gehaltvollen Vertreter.»


Stefan Graf, Vinarius AG, Winterthur
«Bei der Degustation der Roten sowohl aus Spanien wie aus Portugal waren wir mit recht unterschiedlichen Weinstilen und Qualitäten konfrontiert. Mir schien der Auftritt heterogener als in früheren Jahren. Während vor allem bei älteren Jahrgängen die Meinungen über gewisse oxydative Noten und Alterstöne auseinandergingen, war man sich bei der Beurteilung der jüngeren und sauberen Weine einig. So waren denn auch unsere Highlights noch im jugendlichen Alter, zwei Ribera del Duero, ein 2015-er und ein 2014-er. - Ein Auf und Ab erlebten wir auch bei der Verkostung der Roten aus Portugal. Doch auch hier fehlte es nicht an Überfliegern. Eindrücklich eine grandiose Assemblage aus Syrah und Touriga Nacional!»


François Luther, Oenologue, Gilly
«Auch wenn ich schon zum zehnten Mal mit dabei bin, ist für mich das Engagement in der IWPZ-Jury immer ein ausserordentliches Erlebnis. Einmal mehr war die Logistik perfekt und die Arbeit im gut durchmischten Team spannend. Beim Thema «Pinot Noir Schweiz 2015» konnten wir uns auf die Suche nach Perfektion konzentrieren - und wir wurden fündig! Das Grosse Gold, das wir einem Blauburgunder verliehen haben, illustriert das allgemein sehr hohe Qualitäts-Niveau der eingereichten Weine. Ein Blick zurück zeigt, dass fehlerhafte Weine immer seltener werden.»


Peter Willener, Weinkeller zur Post, Tschingel ob Gunten
«Man hofft gerade bei der Degustation von einheimischen Weinen immer wieder auf Fortschritte. Und dieses Jahr erlebten wir sie gleich mehrfach. Für eine Assemblage Humagne/Syrah hat unsere Gruppe sogar ein Grosses Gold vergeben. Ein echtes Highlight! Erstaunlich war für mich, dass unsere Winzer oft eher zurückhaltend sind bei der Bewertung von Schweizer Weinen. - Erfreulich ist, dass es überhaupt keine Enttäuschung gab. Wenn überhaupt gejammert werden kann, dann auf sehr hohem Niveau.»


Charles Steiner, Weingut Steiner, Schernelz Village
«Hatte das Glück, einige sehr schöne Schweizer Pinots degustieren zu dürfen. Überrascht hat mich die feine Struktur des Jahrgangs 2015. Hätte auch nicht erwartet, dass sich der 2014-er derart schön entwickelt. Beim Jahrgang 2013 zeigten sich die Folgen der überschwänglichen Hitze. Oft fehlte es an Harmonie. Dafür waren die 11-er sauber, elegant und fein. - Sehr positiv hat sich die altersmässig gute Durchmischung unserer Gruppe ausgewirkt. Jung und Alt haben sich gegenseitig befruchtet. «


Beat Hedinger, Schaffhauser Blauburgunderland
«Die Degustation wird meiner Ansicht nach durch die generelle Qualitätssteigerung zunehmend anspruchsvoller. Der Bereich von der Mitte nach oben wächst. Ausreisser nach unten, fehlerhafte Weine, gab es praktisch keine. Besonders freut mich, dass unsere Produzenten endlich den Mut haben, auch ältere Weine zum Concours einzureichen. Wir konnten einige sehr schöne 11-er verkosten.»


Walter Zweifel, Zweifel Vinarium
«Unser Team degustierte eine breite Palette von Rotweinen. Am Dienstag wurden Gewächse aus der Schweiz und Österreich sowie einigen Ländern Osteuropas bewertet, am Mittwoch zudem mehrere Serien von Weinen aus Übersee. Beeindruckt sind wir vom erstaunlich guten Abschneiden von Schweizer Rotwein-Spezialitäten im internationalen Konzert.  Etwas unterschiedlicher sind die Eindrücke, welche einige Teilnehmer aus dem Balkan hinterliessen: von super bis fraglich. Sehr gut der Auftritt der Roten aus Kalifornien und Australien. Besonders erwähnen möchte ich auch die hervorragende Zusammenarbeit in unserer - was die divergierenden Themen betrifft - doch recht schwierigen Gruppe.»


Susanne Bader, Sommelière/Sensorikerin
«Unser Team degustierte Rotweine aus Spanien. Es gab - neben sehr schönen Serien mit etlichen Highlights - auch einige oxydative Weine. Darunter waren erstaunlicherweise auch jüngere Jahrgänge. Zudem führten hohe Alkoholgehalte und erhöhte Restsüsse da und dort zu Diskussionen.»


Kurt Feser, VOLG Weinkellereien, Winterthur
«Zuerst ein Wort zur Organisation: wiederum perfekt! Von der Gruppierung der Weine über die Instruktion bis zum Service. - Unser Team beurteilte überwiegend Rotweine aus Italien sowie einige Gewächse aus Portugal und Spanien. Fehlerhafte Weine gab es kaum. Insgesamt wird eher die Süsse und das Gefällige gesucht und weniger die Struktur. Positiv überrascht haben uns einige - trotz ihrer Leichtigkeit - sehr gute Sangiovese.»


Hermann Schwarzenbach, Schwarzenbach Weinbau, Meilen
«Gleich zum Höhepunkte, einem Johannisberg: die Aromatik genial, eine verdammt schöne Säure, elegant, gehaltvoll und überhaupt kein Monster. Ein grossartiger Wein, der etwas über die eher mittelmässige Chasselas-Serie hinwegtröstete. Bei etlichen überwog die grüne Seite. - Die Arbeit in der Gruppe war sehr anregend. Bei wirklich guten Weinen waren wir uns immer einig.»


Susi Wehrli, Wehrli Weinbau AG, Küttigen
«Ich degustierte in der Gruppe Schweizer Rotweine. Beeindruckt war ich einerseits von der grossen Sortenvielfalt. Einige Pinot Noir, Diolinoir, Syrah, Merlot und Gamay wurden sortenrein präsentiert. Anderseits überraschten mich zahlreiche Cuvées sehr positiv. Ich habe den Eindruck, dass die Produzenten Gerbstoffe und Säure immer besser im Griff haben und sich vermehrt auf die Kelterung und den Ausbau von komplexen, filigranen und vor allem harmonischen Roten konzentrieren können.»


Alain Parisod, Grandvaux
«Ich durfte in einem homogenen Team an zwei Tagen Schaumweine aus verschiedenen europäischen Ländern degustieren. Sehr stark war der Auftritt der Spanier mit einigen hervorragenden Cavas. Recht unterschiedlich präsentierten sich die klassischen Vertreter Frankreichs. Einige glänzten, andere zeigten Mühe, die Ansprüche der Juroren an Frische und Finesse zu erfüllen.»


Mayra Saillen, Ing. HES Enologa, Gialdi Vini, Mendrisio
«Für mich war der Einsatz als Degustatorin an der IWPZ eine Première. Ich bin sehr beeindruckt davon, wie schnell wir arbeiteten - sicher nicht nur deshalb, weil unser Team gut harmonierte. Auch die zum Teil hervorragenden Roten des Jahrgangs 2016, Pinot Noir, Cornalin und Assemblagen, haben dazu beigetragen. Ich denke, dass wir recht grosszügig waren. In unserer Gruppe herrschte eine positive Einstellung zugunsten der Qualitäten eines Weins. - Sehr interessant waren für mich die vielen Kontakte und wertvoll übrigens auch das Deutsch-Training.»


Caroline Schaub, Observatoire suisse du marché des vins, Changins
«Unsere Gruppe degustierte Weissweine aus Europa. Die Qualität der uns präsentierten Gewächse war insgesamt sehr hoch. Überwiegend saubere, harmonische und in ihrer Aromatik perfekte Gewächse wurden auch entsprechend hoch bewertet. Insbesondere etliche Grüne Veltliner und Viogniers überzeugten. Für Verwirrung sorgten da und dort nicht dokumentierte erhöhte Zuckergehalte. In einzelnen Fällen geht man mit dem Restzucker ans Limit. - Für mich ist die Degustation in der Jury der IWPZ immer eine Bereicherung meiner Tätigkeit an der Forschungsanstalt in Changins. Ich war zum dritten Mal mit dabei und freue mich auf 2018.»


Christophe Venetz, Kommunikation rund um den Wein, Sion
«Es liegt wohl auch an der Qualität der Weine, dass wir in unserer Gruppe dieses Jahr diskussionslos klare Entscheide fällten. Das Niveau im oberen Bereich ist enorm hoch und zugleich immer breiter. Ein Kandidat hat nur eine Chance auf ein Diplom, wenn er echt top ist. Wer nicht prämiert wird, muss jedoch längst nicht ungenügend sein.»